Montag, 17. Oktober 2016

Ich heirate eine Familie

Wer kennt sie noch, die Fernsehserie aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts? Klingt ganz schön lange her. Ist es auch.
Mir ergeht es gerade ähnlich wie Herrn Schumann. Also eigentlich nicht. Ich habe nicht vor zu heiraten. Die Paralelle besteht in der Tatsache, dass die Frau meines Herzens 2 Kinder hat. "Und?" werdet ihr Euch sicher fragen. "Was ist daran das Besondere? Was kommt jetzt?" Solche Beziehungen gibt es mit Sicherheit nicht wenige in Deutschland, schon klar. Es gibt auch massig Untersuchungen und Forschungsarbeiten dazu. Es sind einfach die persönlichen Erfahrungen, die mich dazu bringen die Welt mal wieder mit einem neuen Post zu "beglücken".

Ich habe nämlich erkannt, dass ich bei "fremden" Kindern wesentlich unnachsichtiger bin, als ich es bei meinen eigenen Kindern jemals war. Es sind eben doch nicht "meine" Kinder. Es ist schwierig bestimmte Verhaltensweisen zu akzeptieren, die einem einfach nur auf die Nerven gehen. Da ist auch der Unterschied im Alter der Kinder. Wenn Du eigene Kinder hast, die "aus dem Gröbsten" raus, da doch wieder eine schwer pubertierende Teenagerin und ein kleiner Junge, der auf der Schwelle zwischen Kindergarten- und Schulkind steht, sind, dann ist das eine Herausforderung. Zumindest für mein Nervenkostüm. Gedanklich war ich mit dem Thema Kinder soweit durch. Selber Schuld... Mir ist bewusst, dass meine Reaktionen und Gefühle nur menschlich sind. Außerdem wusste ich vorher, auf was und wen ich mich eingelassen haben. Trotzdem bricht es ab und an aus mir heraus und ich lasse die Kinder spüren, dass sie eben nicht meine Kinder sind. Muss ich durch, ist eben so.


Da ich hier seit einigen Monaten nichts mehr geschrieben habe, möchte ich Euch auch erzählen, was ich so die letzten Monate getrieben habe. Ein Grund für das Schweigen hier, war auch mein derzeitiger "Job", den ich noch bis Ende des Jahres ausfüllen darf. Mein Dienstherr hat mich in seiner großen Weisheit nochmal für 6 Monate an die Flüchtlingshilfe ausgeliehen. OK, das war gelogen. Ich habe es freiwillig gemacht. Das hat mehrere, auch persönliche Gründe, aber letztendlich war es eine bewusste Entscheidung. Ich mache es gerne. Meine Aufgabe bringt es mit sich, dass ich jeden Tag die Geschichten der Flüchtlinge mitbekomme. Alle haben Sie Gründe, warum Sie Ihr Heimatland verlassen haben, teilweise mussten. Und ja, oft sind es die gleichen Geschichten, anders erzählt. Man baut deshalb eine nüchterne Distanz zu den Antragsteller und deren Erzählungen auf. Und doch, wer hier nach Deutschland kommt sucht auf die ein oder andere Weise Schutz und alle ein besseres, friedlicheres Leben. Es ist auch klar, dass ein Teil dieser Menschen wieder in ihre Heimatländer gehen wird. Egal ob freiwillig, oder weil sie keine Duldung in Deutschland erfahren. Es können nicht alle gerettet werden. Aber die, die da sind, haben es verdient, dass sie als das behandelt werden, was wir alle sind: als Menschen.


Deshalb, mein Rat an die "Wir sind das Volk"-Rufer von Pegida, AfD und die sonstigen Dumpfbacken: macht das. Beschäftigt Euch erst einmal persönlich mit den Menschen, die da in unser Land kommen. Die Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen. Jawohl, UNSER, nicht EUER Land. Denn Ihr seid nicht das Volk. Ihr seid nichts weiter als eine Minderheit, die hinter marktschreierischen Populisten hermarschiert, um deren geistlose Ergüsse wiederzugeben.


Ich habe fertig...


Dienstag, 10. Mai 2016

Aufstieg

Es ist nun also soweit, RB Leipzig ist in der ersten Fußball-Bundesliga angekommen. Ich, als bekennender Fan des KSC, habe mich auf den Weg gemacht und war letzten Sonntag mit gut sichtbarem Schal im Stadion. Damit war ich einer von sehr wenigen im ausverkauften Stadion, die Blau-Weiß trugen. Die Karlsruher Ultras hatten im heimischen Wildparkstadion zu einem "Tag der Tradition" eingeladen. Die A-Jugend (Bundesliga) und die zweite Mannschaft (Oberliga) hatten beide Heimspiele, und sollten deshalb unterstützt werden. Wir mögen Euch nicht, also zeigen wir euch die kalte Schulter. Besser so ein Protest, als tatsächlich Wege des Protestes zu suchen, die vernunftbegabte Menschen nicht gehen.


Was ist nicht alles über den "Dosenverein" geschrieben worden. In Fan-Kreisen heiß diskutiert, ob das Konstrukt RBL überhaupt eine Existenzberechtigung hat. Ob es verwerflich ist, mit einer von einem Oberliga-Verein erkauften Spielberechtigung, unter Einsatz von sehr viel Geld, den Traum von Erstliga-Fußball im Osten zu verwirklichen.


Dauer: 7 Jahre. Geschätzte Kosten bisher: 100 Millionen Euro.

Man(n) kann trefflich darüber streiten.


Aber mal ganz ehrlich, welcher selbsternannte Traditionsverein wäre nicht froh, solch einen Investor zu haben? Hat man nur eine Berichtigung in die Bundesliga aufzusteigen, wenn man ein Gründungsdatum um die vorletzte Jahrhundertwende im Vereinsnamen hat? Es gibt genug ehemalige Bundesligisten, die jetzt in der Oberliga/Regionalliga dümpeln.


Nein. Fußball-Romantik ist zwar schön, aber es ist kein Platz mehr dafür. So ist das Geschäft Profifußball eben. Willst Du Erfolg, Ruhm, Ehre, muss entsprechend investiert werden.


Ich gebe zu, ich kann mit RBL auch nicht viel anfangen. Halte nichts von Ralf Rangnick. Mag auch keine Energiegetränke. Pflege meine Vorurteile Österreichern gegenüber. Trotz allem bin ich doch immer noch ein Fan. Denn es geht nur um Fußball. Was ist das für ein schönes Gefühl, mit dem eigenen Verein einen Aufstieg zu feiern. So wie die Fans von RBL es am Sonntag getan haben. Sei es ihnen gegönnt.


Ich wurde mehrfach gefragt, ob ich nun Fan von RBL werden würde. Meine Antworten: "Nie und Nimmer". "Eher gefriert die Hölle zu". "Einmal Blau-Weiß, immer Blau-Weiß".


Aber, ich werde doch ab und an nach Leipzig fahren um mir ein Spiel anzusehen: gegen die Bayern, den BVB, Wolfsburg, Schalke, und wie sie alle heißen.


Letztendlich bin ich nur ein Fan...







Montag, 9. Mai 2016

Nachbarschaft

Ich bin ein Landei. Durch und durch. Mag die Ruhe in der Natur. Mochte es, dass wir in unserem Haus einfach aus der Gartentür nach draußen treten konnten, und nur noch Wiese da war. Der Ort komplett umgeben von Wald. Kilometerlang. Für die Hunde ein Paradies. Das Gassi gehen war für mich immer die Gelegenheit zur Ruhe zu kommen und meinen Gedanken nachzuhängen. Ich konnte es mir auch nie vorstellen in einer großen Stadt zu leben. Selbst die nahe große Kreisstadt, mit ihren "nur" 50.000 Einwohnern, war mir schon viel zu urban. Was nicht heißt, dass ich kulturelle Segnungen wie Konzerte, Theater, Kino,... nicht zu schätzen weiß. Es ist schön, wenn man abends einfach spontan auch mal ausgehen kann. Hat was. Und trotzdem... Die Hektik und der Lärm der Großstadt... nix für mich.


Ich denke, es war die mangelnde Vorstellungskraft, dass es auch in einer Großstadt tatsächlich Ecken (oder Orte) gibt, an denen man Ruhe finden kann.


Am Wochenende zeigte mir eine Nachbarin, dass man(n) auch an ungewöhnlichen Orten für sich sein kann. So wie sie, über den Dächern der Stadt:





Jeder sucht nach einem Platz um kurz zu entfliehen. Die einen auf dem Dach eines Hauses, die anderen im Kanu auf dem Wasser.